gesunderhaltende bodenarbeit & Trainingstherapie
Bewegungsmanagement und Training als wichtiger Schlüssel zur Rehabilitation
Aber: Bewegung ist nicht gleich Bewegung!
Ein Pferd 20 Minuten an der Longe im Kreis zu longieren kann mehr schaden als helfen, wenn dabei nicht auf die Schiefe oder Bewegungsqualität geachtet wird. Wenn ein Pferd „wie ein Motorrad“ um die Kurve läuft, wirkt die Zentrifugalkraft komprimierend auf den Bewegungsapparat ein. Das belastet Gelenke und Strukturen und verschärft langfristig die bereits bestehenden Probleme.
Wer sich mit gesunderhaltendem Training beschäftigt, merkt schnell: Es geht im Kern nicht um eine einzig richtige Trainingsmethode. Viele Wege führen nach Rom! Sich wirklich mit den Zusammenhängen im Pferd und einem Training zu beschäftigen, welches dem Pferd wirklich nützt, braucht ein bisschen Zeit und an der ein oder anderen Stelle ein Umdenken oder neu lernen, aber der Weg lohnt sich. Wir orientieren uns dabei sowohl an den Trainingsprinzipien als auch an der Art und Weise, wie sich das Pferd bewegt.
Die Arbeit mit dem Pferd vom Boden aus ist keineswegs eintönig, anspruchslos oder nur etwas für Anfänger. Der Begriff Bodenarbeit kann etwas in die Irre führen und die Idee vermitteln, dass sich die Arbeit am Boden grundlegend vom Reiten unterscheidet. Für mich gibt es tatsächlich nur einen Unterschied: Nämlich die Position des Menschen. Der Inhalt der Arbeit ist genau der gleiche, wenn es um Gesunderhaltung und Gymnastizierung geht.
Vorteil ist, dass der Mensch mit seinem zusätzlichen Gewicht vorerst nicht den Körper des Pferdes belastet. Außerdem kann vom Boden aus die Balance und Bewegungsqualität des Pferdes leichter beobachtet und eingeordnet werden. Sehen fällt zu Beginn oft leichter als vom Rücken aus zu fühlen, weil hier als zusätzliche Herausforderung die Schiefe des eigenen Körpers erheblich mehr in den Vordergrund rückt.
Was du durch die Arbeit am Boden lernst:
- Du verstehst die Kompensationsmuster deines Pferdes und deren Auswirkungen im Stand und in der Bewegung.
- Du erkennst Fortschritte selbst und kannst das Training zukünftig gezielt anpassen.
- Du schulst deinen Blick anhand von Skripten, Übungen und Videos.
- Du lernst, was gutes Training ausmacht und welche Prinzipien entscheidend sind.
- Du verfeinerst eure Kommunikation und wirst sicherer in deiner eigenen Körpersprache.
- Du entwickelst ein Gespür für Verspannungen und lernst einfache (Massage-) Techniken.
- Du baust einen eigenen Werkzeugkasten mit Übungen auf, die du flexibel anwenden kannst.
- Du merkst, wie sich durch diese Arbeit auch eure Beziehung verändert und festigt.
Was dein Pferd davon hat:
- Es lernt, seinen Rumpftrageapparat anzusteuern und dadurch nach und nach seine Kompensationsmuster aufzulösen.
- Es bewegt sich bewusster, koordinierter und findet mehr und mehr in seine Balance.
- Es kann auch in höheren Gangarten ein physiologisches Bewegungsmuster im gesunden Spannungsbogen halten.
- Es wird merken, dass du seine Signale wahrnimmst und beachtest. Dadurch wird es sich entspannen und bei dir wohlfühlen.
- Dein Pferd wird sich zunehmend wohler im eigenen Körper fühlen und langfristig weniger Schmerzen haben.
Und wie geht es danach weiter?
Veränderungen brauchen Zeit. Die Forschung geht davon aus, dass der Körper 350-500 Tage benötigt, um sich umzustrukturieren und neu zu stabilisieren. Das bedeutet aber nicht, dass du so lange nicht reiten kannst, sofern dein Pferd dazu körperlich in der Lage ist. Du wirst im Laufe des Prozesses ein eigenes Gefühl dafür entwickeln, was euer nächster Schritt ist. Vielleicht entwickelst du solchen Spaß an der Bodenarbeit, dass du dich vermehrt mit klassischer Handarbeit und fortgeschritten Lektionen beschäftigen möchtest. Oder du überträgst das neue Bewegungsgefühl in den Sattel und förderst so weiterhin weiterhin die Bewegungskompetenz deines Pferdes.
